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Förderdiagnostische Lernbeobachtung - ein Beispiel aus der flexiblen Eingangsstufe (Schriftsprache)
Zuerst wird mit Hilfe des Arbeitsblattes eine Wort-Bild-Zuordnung vorgenommen. Die Wortbilder sind zunächst abgedeckt. Lisa nennt die Tiere bzw. Gegenstände, die auf den Bildern zu sehen sind: Igel, Besen, Rakete, Nadel, Sonne.

Neben jedem Bild befinden sich drei Wörter. Lisa soll jeweils das Wort ankreuzen, das zum Bild gehört. Lisa sagt spontan: "Ich weiß schon, was zum Igel gehört. Ich weiß schon, wie das aussieht." Sie freut sich darüber, dass sie Bekanntes entdeckt. Das ist zusätzlich motivierend. Das Wort Igel wird gefunden. Auch bei den anderen Wörtern gelingt Lisa die Zuordnung. Vermutlich verwendet sie die für sie effektive Strategie, sich am Anfangslaut zu orientieren und den passenden Buchstaben dazu zu suchen. (Beispiel: Sie spricht das Wort "Igel" laut oder innerlich, identifiziert den Anfangslaut und sucht aus den drei angebotenen Wahlwörtern das Wort mit dem "I" heraus). Lisa arbeitet intensiv. Auf die Frage: "Wie bist du darauf gekommen?" kann Lisa die Handlung in einfacher Weise reflektieren.

Nun fordert die Lehrerin Lisa auf, sich die Wörter anzusehen, um sie gleich danach aufschreiben zu können. Lisa freut sich darauf! Sie glaubt: "Ich kann das!". Gründlich studiert sie das Wortbild "Besen". Hier erkennen wir eine besonders intensive Phase der Lerntätigkeit mit einer am Anforderungsinhalt orientierten Handlungssteuerung: Obwohl die Lehrerin das Blatt mit den Wortbildern bereits wegziehen wollte, studiert Lisa das Wortbild noch ca. 12 Sekunden und gibt dann das Zeichen "Jetzt kann ich es!".

Lisa erhält ein Blatt mit den Bildern und soll die Wörter daneben schreiben. Die Lehrerin fragt: "Wirst du das schaffen?" Lisa überlegt und nickt schließlich zuversichtlich. Sie arbeitet intensiv und schreibt alle Wörter hin.

Auf die Frage: "Du hast alle Wörter am Anfang groß geschrieben?" meint Lisa: "Nicht alle!" Das nachfolgende kurze Gespräch führt zu der Feststellung, dass alle Wörter groß geschrieben sind. Die Lehrerin geht hier von der Vermutung aus, Lisa habe keine Schwierigkeiten damit, festzustellen, dass alle Wörter groß geschrieben sind. Als Lisa glaubt, sie habe nicht alle Wörter groß geschrieben, korrigiert sie nur kurz, um ihre eigentliche didaktische Absicht weiter verfolgen zu können. Vielleicht hat Lisa die Frage auch anders aufgefasst und wollte nur mitteilen, nicht jedes Wort (generell) würde groß geschrieben. Da die bisherige Handlung für Lisa erfolgreich verlaufen und subjektiv ein bestimmter Abschluss erreicht ist, wird es nach diesem kleinen Stolperstein schwer, eine neue Motivation in derselben Güte wie bisher aufzubauen.

Die Lehrerin fordert Lisa auf, die Wörter noch einmal anzusehen, und kreuzt zwei Wörter an: "Weißt du noch, wie die heißen? Was ist das für ein Buchstabe am Anfang, kennst du den?" Lisa liest das Wort "Besen". Anschließend wird das Wort mit Silbenbögen segmentiert und nochmals gelesen. Diese Schritte dienen der Vorbereitung der Analyse des Wortes mit Hilfe der Männchen, die über die Buchstaben gesetzt werden sollen. Das Hinstellen je eines Männchens über die Buchstaben ist für Lisa neu. Nach einem gewissen Zögern geht sie darauf ein. Das Aufgabeninteresse wächst aufgrund der gegenständlichen Handlung. Das nun realisierte kurzschrittige Vorgehen entspricht dem didaktischen Anliegen, wobei Lisa immer nur den jeweiligen nächsten kleinen Schritt mitgehen kann. Die Motivation muss sich hier stark auf die vorhandene Bereitschaft stützen, mit der Lehrerin gemeinsam zu üben. Die Methode gibt Lisa zum einen eine Einführung in die anschauungsgestützte Analysemethode, zum anderen stellt sie eine analytisch-synthetische Übung dar, die die mögliche Lernentwicklung anspricht und vorhandene Kompetenzen sichtbar werden lässt.

Über jeden Buchstaben bzw. für jeden Laut des Wortes "Besen" soll ein Männchen hingestellt werden. Lisa sagt an, über welchen Buchstaben sie die Männchen stellt. Das erste Männchen setzt sie über das B, das zweite über das S. Das bietet der Lehrerin die Gelegenheit, mit Lisa am Heraushören des "e" zu arbeiten. Das zweite Männchen wird danach über den zweiten Buchstaben gesetzt und der Laut benannt, das dritte Männchen über den dritten Buchstaben usw. (Dass Lisa für den Stammlaut ein kurzes -e- nennt, wird von der Lehrerin an dieser Stelle nicht bearbeitet. Ihr Ziel bestand hier darin, eine Methode einzuführen, die einen Weg zur gründlicheren Arbeit an den phonemischen Strukturen bereiten sollte.) Nach Beendigung wird das Wort erneut gelesen und die Silbenbögen gezogen. Diese letzten Aktivitäten macht Lisa wohl mehr ihrer Lehrerin zuliebe mit.

Erneut lässt sich Lisas Aufmerksamkeit gut binden, als sie das analysierte Wort in ein Arbeitsblatt eintragen soll, wobei die richtige Zeile auf dem Arbeitsblatt gefunden werden muss (nämlich die mit fünf vorgegebenen Buchstabenkästen). Lisa ist sofort der Meinung, die Zeile mit den fünf Kästchen zu nehmen. Sie schreibt in jedes Kästchen einen Buchstaben. Nachdem alle Buchstaben eingetragen sind, sollen die Männchen von der Vorlage hinüber auf das selbstgeschriebene Wort gesetzt werden, also vom gedruckten "B" in "Besen" zum selbst geschriebenen, von gedruckten "E" zum selbst geschriebenen usw. Das Vorgehen bietet eine Möglichkeit der Selbstkontrolle und der bewussten Arbeit an der Lautanalyse und der Graphem-Phonem-Zuordnung und wird hier sehr gut realisiert.

Anschließend wird das Wort nochmals synthetisierend gelesen. Die Lehrerin legt ein Blatt mit Bildern vor Lisa. Sie soll nun das Wort "Besen" neben den abgebildeten Besen schreiben und dann prüfen, ob alle Buchstaben da sind, indem sie die Männchen darüber setzt. Jetzt arbeitet Lisa flüssig. Sie liest "Besen" und freut sich. Abschließend wird das Wort Besen im Wortaufbau (buchstabenweises Abdecken) gelesen und wieder Silbenbögen darunter gesetzt.
Zusammenfassung der Resultate im Bogen
Förderdiagnostische Lernbeobachtung
Schülerdaten
Lisa, 2. Jahr, flexible Eingangsstufe
1. Fragestellung für die förderdiagnostische Lernbeobachtung und Vorinformationen zum Lernstand
Lisa gehört seit längerer Zeit zu den Schülerinnen mit erhöhtem Förderbedarf. Genaue förderdiagnostische Beobachtungen sind auch weiterhin erforderlich. Besonderer Förderbedarf besteht im Bereich der phonematischen Differenzierungsfähigkeit.
2. Ergebnisse der förderdiagnostischen Lernbeobachtung
2.1 Entwicklungsstand (Kompetenzen, Motivation, Lern- und Arbeitsverhalten)
Kompetenzen (bezogen auf die Fragestellung)
Es gelingt, gut hörbare Laute bei Wörtern herauszuhören, die bereits mehrfach Gegenstand der Analyse waren. Lisa kennt die Buchstaben M, N, U, L, O und einige andere und kann dies schreibmotorisch umsetzen kann.
Mit Unterstützung kann Lisa Einzellauten isolieren und ihnen Buchstaben zuordnen. Meist werden aber die Graphem-Phonem-Beziehungen außer Acht gelassen.
Lern- und Leistungsmotivation / Interessen / Persönliche Ziele und Konfliktsichten
Lisa fühlt sich in der Schule wohl. Sie möchte alles gut machen und glaubt, dass ihr das gelingen kann. Lisa tendiert nicht zum Ausweichverhalten. In der Gruppe fühlt sie sich zugehörig und weiß, dass sie etwas beitragen kann.
Die Konstruktion von Wörtern mit der Anlauttabelle ist für Lisa eine anspruchsvolle Herausforderung. Sie strengt sich an.
Lern- und Arbeitsverhalten / Lernstrategien / Verhaltenssteuerung / Grundfunktionen
Lisa übernimmt die einzelnen Lernziele und Lernaufgaben recht gut. Sie konzentriert sich bewusst und organisiert ihre Handlung (Sitzhaltung, Zurechtlegen des Stiftes).
In der Einzelbeschäftigung wählt sie Wörter aus, die geschrieben werden sollen und ist ganz bei der Sache. Lisa möchte alle Erwartungen erfüllen. Nach einer Zeit intensiven Arbeitens wird Ermüdung rascher deutlich als bei vielen anderen Kindern.
2.2 Zusammenfassung (bezogen auf die Fragestellung)
Siehe Förderziele!
3. Anknüpfungsmöglichkeiten und Entwicklungsaufgaben
3.1 Anknüpfungsmöglichkeiten, Ressourcen
Positive Lerneinstellung.
3.2 Individuelle Entwicklungsaufgaben
Sich von mechanischen Lernstrategien lösen, sich mehr zutrauen.
4. Förderkonzept / Fördermaßnahmen
Nicht überbeanspruchen! Eine permanente, beständige Arbeit an den Defiziten vermeiden! Lisa benötigt mehr Erholungsphasen. Ihr muss Zeit gelassen werden. Übungen zur Analyse der Lautfolge bei komplexeren Wörtern mit Hilfe der Männchen-Methode.
Diese Methode auch für die Umsetzung in eine Buchstabenfolge nutzen. Übungen zur Graphem-Phonem-Korrespondenz, mehr Entspannungs- und psychomotorische Möglichkeiten vorsehen!
Anlagen: Protokolle, Diagnoseergebnisse, Aufzeichnungen, Notizen, Memos
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Download Förderdiagnostische Lernbeobachtung im Förderschwerpunkt geistige Entwicklung - ein Beispiel (pdf- Datei, 165 KB)
Förderdiagnostische Unterstützungsdialoge im Bereich Mathematik (Folien)
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