Umgang mit Schwierigkeiten

Hinweise zur Beobachtung des Umgangs mit Schwierigkeiten
Prof. Gerald Matthes
SS 2003

Anlage zu den Studienunterlagen Förderdiagnostik

Hinweise zur Beobachtung des Umgangs mit Schwierigkeiten


Quelle:
Emmer, A.; Hofmann, B.; Matthes, G. (2000). Elementares Training bei Kindern mit Lernschwierigkeiten : Training der Motivation - Training der Lernfähigkeit. Neuwied; Berlin: Luchterhand, 2000. -322 S. ISBN 3-472-03894-2
1. Anliegen
Im Umgang mit Schwierigkeiten zeigen sich Fähigkeiten der Selbstregulation besonders deutlich. Für eine vertiefende Diagnostik wird nachfolgend eine Möglichkeit zur Beobachtung des Umgangs mit Schwierigkeiten beim Lösen von Aufgaben dargestellt. Es geht dabei um die Erfassung von kognitiven, metakognitiven, emotionalen und motivationalen Aspekten des Verhaltens in unterschiedlichen Phasen des Schwierigkeitserlebens. Beobachtet werden soll, wie sich der Schüler mit für ihn relativ leichten Anforderungen auseinander setzt. Hier geht es um die Beobachtung allgemeiner Ausführungsqualitäten (Orientierung, Konzen-tration, Planung, Sorgfalt, nötiges Abstoppen, um genauer hinzuschauen, Vergleichen) und die Erfassung motivationaler Aspekte.
  • wie er mit deutlichen Schwierigkeiten beim Aufgabenlösen umgeht. Beobachtet wird die Anpassung des Handelns an Schwierigkeiten, wie z.B. das Abstoppen, um das Problem genauer zu analysieren oder Korrekturen einzuleiten, die Anpassung der Konzentration und der Arbeitsgeschwindigkeit, die Selbstberuhigung und die Selbstermutigung.
  • wie er mit der Tatsache umgeht, bestimmte Anforderungen nicht mehr bewältigen zu können. Diese Beobachtungen beziehen sich auf die emotionale Bewältigung des Misserfolgs, wie z.B. ein Verdrängen der Probleme, "Fehler nicht sehen wollen", die Kompensation durch Clownerien, die Tendenz aufzugeben, aber auch den Willen, durchzuhalten.
2. Erfassung
Für differenzierte Beobachtungen sind Einzelsituationen notwendig. Verwendet werden können Aufgaben, die für den Schüler unterschiedlich schwierig sind und für die er motiviert werden kann. Die Aufgaben sollten die Schwierigkeitsstufen leicht, d.h. ohne Schwierigkeiten zu lösen, mittelschwer, d.h. mit überwindbaren Schwierigkeiten und zu schwierig umfassen. Diese Voraussetzungen erfüllt zum Beispiel der Untertest "Mosaiktest" des HAWIK-R (TEWES, 1984), eingesetzt ohne oder mit geänderter Zeitvorgabe. Der objektive Schwierigkeitsgrad der Mosaikmuster steigt allmählich an. Bei den einfachsten Aufgaben haben auch die schwächeren Kinder kaum Schwierigkeitserleben. Auch lässt sich gut beobachten, wie die Kinder mit den Mosaikteilen hantieren, ob sie die Vorlage genau betrachten, systematisch vorgehen u.a.m.. Es kann davon ausgegangen werden, dass die Leistungsgrenze erreicht ist, wenn beim Nachlegen zum zweiten Mal hintereinander ein Fehler aufgetreten ist, auf den das Kind aufmerksam gemacht werden muss oder das Kind zum zweiten Mal die im Testhandbuch angegebene Zeitgrenze für das Legen eines Musters überschreitet. Die Misserfolgsphase beginnt, wenn die Aufgaben nicht mehr gelöst werden können. Das Kind bestimmt den Abruch beim Test selbst oder die Versuchsleiterin schlägt die Beendigung vor.

Um Beobachtungen zum Umgang mit Schwierigkeiten anstellen zu können, müssen aber nicht unbedingt derart durchkonstruierte Aufgaben verwendet werden. Die Beobachtungen sind auch bei selbst zusammengestellten Probeaufgaben möglich, wenn der Schwierigkeitsgrad variiert werden kann, und die Aufgabe für den Schüler Aufforderungscharakter trägt. Der Lösungsprozess soll beobachtet werden können. Das ist der Fall, wenn der Schüler bei der Lösung mit dem Material hantieren muss. In Frage kommen unterschiedliche Knobel-, Merk-, Sortier- und andere Aufgaben.
3. Auswertung
Die im Protokollbogen aufgeführten Beobachtungsgesichtspunkte sind zu inhaltlichen Komplexen zusammengefasst. Der erste Komplex umfasst Aussagen zur allgemeinen Ausführungsqualität, die bereits bei Aufgaben ohne nennenswerte Schwierigkeiten einschätzbar ist. Im zweiten Komplex folgen spezielle Beobachtungsgesichtspunkte zum Umgang mit Schwierigkeiten. Hier werden die Art und Weise der Anpassung des Verhaltens an Schwierigkeiten, die Fähigkeiten zur Selbstberuhigung, Selbstermutigung und Motivation erfragt. Der dritte Komplex beschäftigt sich vor allem mit der emotionalen Verarbeitung von Misserfolgen. Alle Items werden auf einer 3stufigen Skala eingeschätzt, wobei der Wert "0" vergeben wird, wenn eine Aussage nicht zutrifft. Der Wert "2" wird vergeben, wenn der Aussage in vollem Maße zugestimmt werden kann. Der Wert "1" kennzeichnet eine Aussage, der nur mit Einschränkungen zugestimmt werden kann.

Die Items umfassen positive und negative Aspekte des Umgangs mit Schwierigkeiten. Für die Einschätzung des Verhaltens bei Schwierigkeitserleben können die Werte in der jeweiligen Spalte summiert werden. Die Verteilung der positiven und negativen Aspekte gibt Hinweise auf das Ausmaß vorhandener handlungsregulierender Kompetenzen bzw. auf Probleme im Umgang mit und in der Bewältigung von Misserfolgen.
Beobachtungsprotokoll
Beobachtungen zum Umgang mit Schwierigkeiten
Name des Schülers/ der Schülerin:
Datum:
Aufgabe:
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